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Teller oder Tonne? So viele Lebensmittel landen im Müll!

Kolossale Verschwendung oder Notwendigkeit? Der Umgang mit Lebensmitteln in der BRD

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Allein 2013 wurden in der BRD rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Zum besseren Verständnis: Das sind 508 Schiffe von der Größe der Titanic. Nun mögen Sie vermutlich annehmen: „Das kann ich mir schon vorstellen. Allein die Industrie…„. Weit gefehlt. Über die Hälfte dieser unvorstellbaren Masse an Lebensmitteln, ganze 64% nämlich, werden von den deutschen Privathaushalten entsorgt.

Faktor 1: Perfektion

Wir möchten an dieser Stelle nicht weiter mit gewaltigen Zahlen auf Sie einprügeln oder ausschweifende Moralpredigten halten. Lediglich ein kurzes Innehalten möchten wir uns nun einmal gönnen und Sie dazu einladen, sich einen Moment auf ein konstruktives Gedankenspiel einzulassen. So ziemlich jeder von uns dürfte in seiner Kindheit schon einmal mit dem Satz: „Iss deinen Teller leer! In Afrika hungern die Kinder!“ konfrontiert worden sein. Dieses barsch klingende elterliche Gleichnis diente dazu, dem Kind klar zu machen, wie gut es ihm ginge, da es in einer Industrienation und Überflussgesellschaft lebte. Leider verlieren wir diesen Ansatz im Laufe der Zeit mehr und mehr aus den Augen.

Sitzen wir in einem Restaurant und das Steak ist nicht so gebraten, wie wir es gerne hätten, lassen wir es zurückgehen. Das Fleisch ist nicht alt oder gar verdorben. Es war uns einfach nicht perfekt genug. Perfektion, so wird uns von der Werbung suggeriert, sei das A und O bei Lebensmitteln. Es kommt nicht so sehr darauf an, ob das Tiefkühl-Brötchen besonders Schmackhaft ist. Die Hauptsache ist, dass es perfekt geformt und schön regelmäßig aufgegangen ist. Da beginnt das Aussortieren bereits in der Fabrik. Ganze Produktionschargen werden vernichtet, weil die Teiglinge nicht gleichmäßig aufgegangen sind, nicht sorgfältig genug mit Mohn bestreut wurden oder zu dunkel gerieten. Diese Brötchen sind weder verdorben noch ungenießbar. Es wäre ein Leichtes, sie einfach als B-Ware zu deklarieren und für einen Spottpreis zu verkaufen oder sie einfach Organisationen wie den „Tafeln“ zu spenden.

Aber seien Sie ehrlich. Würden Sie einwandfreie aber deformierte Brötchen kaufen, wenn sie auch eine Tüte perfekter Brötchen haben können?

 

Faktor 2: das Mindesthaltbarkeitsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Statistisch gesehen wirft jeder einzelne Deutsche rund 80 kg Lebensmittel pro Jahr weg. Eine ganze Menge dieser Lebensmittel werden entsorgt, weil sie wenige Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum liegen und oft sogar, weil die Lebensmittel kurz vor dem Ablauf desselben stehen. Ein schlimmeres kollektives Fehlverhalten gibt es fast nicht. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist lediglich eine zeitlich ausgesprochen knapp bemessene Verbraucherinformation. Es sagt einfach aus, dass das Lebensmittel mindestens bis zum angegebenen Datum den optimalen Frischezustand haben soll.

Dieser Zeitraum wird vom Hersteller mit viel Luft nach oben angegeben, um zu garantieren, dass Sie jederzeit unverdorbene Lebensmittel genießen dürfen. Ob ein Lebensmittel jedoch verdorben ist, erkennt man nicht am Packungsaufdruck. Allein der Geruch, das Aussehen und gegebenenfalls der Geschmack sind ausschlaggebend für Frische. Ihr Joghurt riecht gut, sieht gut aus und trägt keinen Pelz? Dann können Sie ihn auch bedenkenlos essen, selbst wenn der Aufdruck besagt, das er bereits 3 oder 4 Tage „überfällig“ ist.

Faktor 3: der Supermarkt – Lebensmittel im Überfluss

Supermärkte stellen in Sachen ökonomisches Wirtschaften auch keine besonders guten Vorbilder dar. Das ist jedoch nicht allein deren Schuld. Durch unser gesellschaftliches Konzept stehen sie unter enormem Zugzwang. Jeden Tag bieten Sie das komplette Sortiment stets frisch und in hervorragender Qualität an. Nun wird der Supermarkt aber nicht jeden Tag von den Leuten restlos leer gekauft oder? Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Lebensmittel, besonders Frischeartikel wie Fleisch, Obst und Gemüse so ein Markt jeden Tag entsorgen muss. Hartnäckig hält sich bis heute der Mythos von der „armen DDR, wo die Leute vor leeren Regalen standen und niemals Bananen essen durften„.

Falsch.

Der betreffende Aspekt der Planwirtschaft sah lediglich vor, dass alle Produkte nur dann verfügbar waren, wenn es sie denn tatsächlich gab und nur etwa so viel in den Regalen stand, wie von den Menschen auch gebraucht wurde. Erdbeeren gab es zur Erdbeersaison und nicht ganzjährig. Bananen mussten importiert werden, was schwierig war und so weiter. Der Vorteil daran war, das jeder Mensch das bekam, was er brauchte und am Ende des Tages nicht zig Kilo Lebensmittel in den Containern landeten.

Containern ist das Stichwort. Eine kontrakapitalistische Neuerfindung dessen, was bedürftige Menschen aus der Not heraus tun, um nicht zu verhungern. Aktivisten durchforsten den Müll von Supermärkten nach einwandfreien Lebensmitteln, um diese dann zu konsumieren. Rein rechtlich gesehen erfüllt „containern“ zwar den Straftatbestand des Diebstahls, wird von einer Menge Leute jedoch als ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft praktiziert und von ebenso vielen Anderen als solches verstanden.

 

Eine sinnvolle Lösung: ökonomisches Denken

Wie können Sie als Einzelner nun diese Verschwendung sinnvoll bekämpfen? Müssen Sie nun auf den Luxus frischer Lebensmittel verzichten oder Ihren gewohnten Lebensstandard aufgeben? Definitiv nicht. Kaufen und konsumieren Sie Ihre Lebensmittel einfach bewusster. Lassen Sie sich nicht in die suggestiven Fallen der Werbekampagnen locken. „Kaufen Sie zwei und bekommen Sie noch eins gratis!“ so nicht. Sie wollen nur eins? Sie brauchen nur eins? Dann kaufen Sie nur eins. Überdenken Sie Ihren Verbrauch. Frisches Obst und Gemüse sieht in der Schale verdammt gut aus. Es sollte aber auch gewährleistet sein, das Sie und Ihre Familie es auch essen.

Es gibt ein neues Produkt und sie wollen es ausprobieren? Dann nehmen Sie nur eine kleine Menge mit und entscheiden Sie später, ob es Ihnen schmeckt. Sie besorgen Unmengen an Lebensmitteln für eine Feier? Sprechen Sie im Vorfeld mit Ihren Gästen was diese alles mögen und auch essen. Auf diese Weise landen hinterher nicht etliche schöne Sachen im Müll. Wenn Sie Fleisch, Fisch oder ähnlich verderbliche Lebensmittel kaufen, entscheiden Sie sich bei der Menge für Ihre Kapazitäten zu Hause. Wenn Sie in der Lage sind, alles einzufrieren was Sie nicht in absehbarer Zeit zubereiten dann kaufen Sie ruhig mehr. Andernfalls kaufen Sie nur so viel, wie Sie innerhalb der Haltbarkeit auch verbrauchen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein grobes Richtmaß, kein Pflichtmaß.

Entsorgen Sie Lebensmittel nur dann, wenn diese nach eingehender sensorischer Prüfung wirklich verdorben sind. Das sind nur einige Ansätze. Sie merken selbst, das nichts davon Sie irgendwie einschränkt oder Ihre Lebensqualität mindert. Es ist nur ein kleines Aufbegehren gegen das treibende Dauerfeuer von Werbeindustrie und Wirtschaft.

Ein bewussteres Konsumverhalten verhindert am effektivsten eine unnötige Entsorgung von guten Lebensmitteln.

 

 

Bildquellen:

  1. https://stock.adobe.com/de/images/fresh-food-in-garbage-can-to-illustrate-waste/96317693
  2. https://stock.adobe.com/de/images/family-chooses-dairy-products-in-shop/119674967

 

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