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Sag „Ja“ zu krummen Obst & Gemüse

Wir sind gegen die Verschwendung von Lebensmitteln: So landet auch unbeliebtes, krummes Gemüse in deinem Einkaufskorb!

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Wenn wir durch die Supermärkte streifen, liegen die Bananen ordentlich aufgereiht nebeneinander, die Äpfel erstrahlen rund im schönsten Rot und die Gurken sehen allen gleichlang, gerade und frisch aus. Es ist schon erstaunlich, wie die Natur Obst und Gemüse optisch ansprechend wachsen lässt, oder?

Doch das tut sie nicht! Zumindest nicht immer. Denn vielmehr ist es so, dass nur gut aussehendes Obst und Gemüse in den Regalen der Supermärkte landen. Der Rest wird uns verborgen und vorher aussortiert – unschönes Gemüse bekommt der Verbraucher meist gar nicht erst zu Gesicht.

Laut der Organisation „Wonky veg boxes“ vom englischen Starkoch Jamie Oliver werden 40 Prozent von Obst und Gemüse vor dem Handel aus der Lieferung aussortiert. Andere Organisationen sprechen von 30 Prozent. In Deutschland seien das 18 Millionen Tonnen jährlich oder 450.000 Lkw-Ladungen.

Das hässliche Obst und Gemüse wird nicht verkauft, sondern wieder als Dünger auf dem Feld verwendet. Anderes Gemüse wird einfach vernichtet oder gar zur Energieverwendung zweckentfremdet. Und das, obwohl jeder 8. Mensch auf der Welt an Hunger leidet.

Lebensmittelverschwendung? Ja, sagen viele Initiativen und versuchen, dem ein Ende zu bereiten. Du würdest gerne helfen? Wie du das kannst, verraten die folgenden Zeilen.

 

Der ängstliche Handel: Warum Obst und Gemüse perfekt aussehen soll

Obst und Gemüse soll rund und nicht oval, gerade und nicht krumm sein: Die Früchte sollen einer Norm entsprechen. Das erwarten vor allem die Händler, die die Lebensmittel verkaufen.

Zu groß ist die Angst, dass die Verbraucher nicht zugreifen und die Verkäufer letztendlich mit Verlust auf ihrer Ware sitzen bleiben. Daher sind auch Erzeugnisse der Landwirtschaft in unserer Gesellschaft in verschiedene Handelsklassen eingeteilt – eine Norm, die in der gesamten Europäischen Union gilt.

Für Obst und Gemüse sind drei Klassen möglich:

  1. Handelsklasse Extra: höchste Qualität und frei von Mängeln
  2. Handelsklasse I: gute Qualität, leicht Form- oder Farbfehler, Quetschungen oder Größenfehler
  3. Handelsklasse II: mittlere Qualität gröbere Form-, Farb- und Größenfehler

 

Warum Obst perfekt aussehen soll

Doch alle Klassen haben spezielle Mindestanforderungen gemein: Das Obst und Gemüse muss ganz und fest sein, sauber und gesund sowie frei von fremdem Geruch, Geschmack und Schädlingen sein. Auch übermäßige Feuchtigkeit ist unerwünscht, ebenso wie eine Überreifheit. Zudem müssen die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf ein unbedenkliches Maß reduziert sein.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht oft anders aus: Die zweibeinige Möhre oder die Zitrone mit den grünen Flecken hat es folglich schwer in den Regalen. Denn sie entsprechen nicht dieser EU-Norm.

Zudem ist auch der Platzmangel oft ein logistisches Problem: Eine krumme Gurke braucht mehr Platz im Karton als das gerade Exemplar. Wer nicht passt – fliegt. So handhaben es zahlreiche Händler. Denn sie glauben, der Verbraucher würde hier nicht zugreifen.

 

Krumm und trotzdem geschmackvoll: Verbraucher würden auch hässliches Gemüse kaufen

Es ist ein Trugschluss der Industrie. Forsa-Umfragen zufolge würden rund die Hälfte der Verbraucher auch  Obst und Gemüse mit äußeren Mängeln kaufen. 42 Prozent würden es auch kaufen, wenn es nicht günstiger wäre.

Denn es gibt keinen Grund, warum diese Produkte nicht verzehrt werden sollten. Sie haben die gleichen Vitamine und auch den gleichen Geschmack. Krummes Gemüse steht dem „genormten“ Gemüse in keiner Weise nach.

Die Lebensmittel sind ebenso wertvoll und nahrhaft und es gibt keinen wirklichen Grund, sie nicht zu essen. Dieser Erkenntnis haben sich zahlreiche Ernährungsexperten verschrieben. Auch krummes, hässliches Gemüse gehört in den Handel.

 

Krummes Gemüse nach Haus geliefert: Projekte in Deutschland und der Welt

Damit diese Verschwendung der Lebensmittel aufhört, braucht es eine Bewusstseinsveränderung beim Verbraucher. Wer einmal selbst erfahren hat, dass auch eine krumme Gurke, eine schiefe Banane oder der nicht ganz perfekte runde Apfel schmeckt, wird immer wieder auch zu optisch nicht perfektem Obst und Gemüse greifen.

Dafür kämpfen verschiedene Initiativen. Die englische Organisation „Wonky veg boxes“ von Jamie Oliver beispielsweise versucht, das aussortierte Obst und Gemüse zu retten. Wer hier bestellt, bekommt es in einer Box direkt an die Haustür geliefert – der Käufer kann hier zwischen drei unterschiedlichen Größen wählen.

Diese kommen entweder wöchentlich oder alle vierzehn Tage. Zehn Prozent der Nahrungsmittel werden zudem durch das Projekt an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet – um den Welthunger zu lindern.

Aber auch in Deutschland kannst du helfen, der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten.  Zahlreiche Start-Ups versuchen, krummes Gemüse zu retten.

Hier hat sich beispielsweise die Organisation „Etepetete-Bio“ dem gleichen Ziel gesetzt und mit zahlreichen Bio-Bauern zusammengetan. Die Initiative schickt die Gemüsekiste direkt vom Feld zu dir nach Hause.

Diese gibt es in drei verschiedenen Größen. Nicht verkauftes Gemüse wird zudem zu veganen Speisen verarbeitet, die in Bio-Supermärkten erhältlich sind. Die Firma „Querfeld“ verkauft ebenso schräges und krummes Gemüse, das bei Bauern aussortiert wurde.

Doch diese Initiative spricht eher Geschäftskunden an. Wohnst du in der Nähe von Köln? Dann kannst du bei dem eigenen Shop der Initiative „The Good Food“ einkaufen. Hier werden nicht nur Obst und Gemüse gerettet, auch Backwaren, Milchprodukte und Eingemachtes sind erhältlich.

Krummes Obst und Gemüse weiterverarbeiten

Weiterverarbeitung: Diese Unternehmen nutzen aussortierte Ware

Andere Gründer haben anderen Ideen gefunden, das Obst und Gemüse sinnvoll zu verwenden. Das Unternehmen „Dörrwerk“ beispielsweise macht aus optisch unschönem Obst Fruchtpapier – also Snacks zum Knabbern.

Bei „Culinary Misfits“ werden die unschönen Lebensmittel in und um Berlin verwendet, um in Workshops Kindern und Jugendlichen das Kochen beizubringen. Und das wirkt wieder nachhaltig – zu einem veränderten Bewusstsein der heranwachsenden Generation.

Und auch so mancher Supermarkt tastet sich inzwischen zaghaft an das Problem dieser Lebensmittelverschwendung heran: Penny hat beispielsweise im Frühjahr 2016 angekündigt, auch krummes Bio-Gemüse zu verkaufen.

Aldi zog im September 2017 nach. Andere Ketten, wie Edeka, Rewe und Netto veranstalten immer wieder Aktionen, bei denen auch krummes Gemüse angeboten wird. Wer hier die Augen nach solchen Angeboten offen hält, kann schnell fündig werden.

 

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