Wann machen Nahrungsergänzungsmittel wirklich Sinn?

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Die Nachfrage nach gesundheitsfördernden Produkten ist ungebrochen. Insgesamt 1,3 Milliarden Euro lassen sich das die Deutschen angeblich jedes Jahr kosten. Besonders beliebt sind Nahrungsergänzungsmittel. Die bunten Pillen und Brausetabletten werden täglich in Supermärkten, Reformhäusern und Apotheken verkauft. Doch immer wieder werden Stimmen laut, die behaupten, dass Nahrungsergänzungsmittel unnütz, ja sogar gefährlich seien. Welchen Benefit haben solche Produkte wirklich für die Gesundheit? Wie oft sollen Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden und rechtfertigen besondere Lebenslagen den Einsatz dieser Erzeugnisse?

Warum Nahrungsergänzungsmittel so erfolgreich sind

Sie versprechen glänzende Haare, Vitalität und ein besseres Denkvermögen. Die Werbeindustrie bemüht sich, potenzielle Nutzer von den Vorteilen der schnell einzunehmenden Mittel zu überzeugen. Auf der anderen Seite steht der Kunde, der in den meisten Fällen gesundheitlich sehr aufgeklärt ist. Er erkennt den Stellenwert der Ernährung für die eigene Gesundheit. Aus Zeitmangel greift er jedoch gerne zu Präparaten, um ungünstige Ernährungsverhältnisse auszugleichen.

Darüber hinaus hofft er mit Nahrungsergänzungsmitteln, einen zusätzlichen Nutzen erreichen zu können. Das Konzept scheint aufzugehen, denn laut der Nationalen Verzehrstudie II nehmen knapp 28 % der Deutschen Nahrungsergänzungspräparate ein. Welche Produkte besonders beliebt sind, zeigte eine Studie der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover in Kooperation mit der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Dafür wurden 1070 Anwender zu ihrem Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln befragt.

Folgende Präparate wurden demnach am häufigsten verwendet:

  • Magnesium (59,2 Prozent)
  • Vitamin C (52,6 Prozent)
  • Vitamin E (45,3 Prozent)
  • Kalzium (37 Prozent)
  • Selen (23 Prozent)

Nährungsergänzungsmittel gelten als Lebensmittel

Der Markt hält ein breites Angebot für Kunden bereit. Die Produkte unterscheiden sich hinsichtlich der Inhaltsstoffe und Einnahmeformen. Neben den zugesetzten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen können diese exotische Substanzen aus Tieren, Pilzen, sowie Pflanzen enthalten. Die Darreichungsformen gehen von Tabletten, Dragees über Brausetabletten bis hin zu Ampullen. Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel stark an Medikamente erinnern, werden sie faktisch nicht als solche klassifiziert. Da sie zu den Lebensmitteln zählen, unterliegen sie zwar den Bestimmungen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB), müssen aber keinen Nachweis über Wirksamkeit oder Sicherheit erbringen. Nahrungsergänzungsmittel sind nicht dazu bestimmt Krankheiten zu heilen, sondern um eine Unterversorgung auszugleichen.

Bis auf wenige Ausnahmen überflüssig

Viele Menschen vermuten bei sich eine Unterversorgung und greifen deshalb zu entsprechenden Präparten. Experten sind sich jedoch einig, dass aufgrund des reichhaltigen Lebensmittelangebotes hierzulande, Mangelerscheinungen sehr selten auftreten. Tatsächlich enthalten Zutaten, die häufig in der Küche verarbeitet werden, ungeahnt hohe Vitaminwerte. Nur ein Beispiel ist der Brokkoli, der mit rund 83 mg Vitamin C pro 100 Gramm, als echte Vitamin C Bombe gilt. Deshalb sind insbesondere die Klassiker wie Vitamin C und Multivitamin in der Regel überflüssig.

Laut der Nationalen Verzehrstudie II wird der Großteil der Vitamine und Mineralstoffe mit einer ausgewogenen Ernährung gedeckt. Nicht zuletzt, weil Lebensmittel heute vielfach mit Nährstoffen angereichert werden. Auch die Versorgung mit Jod hat sich in der Gesellschaft merklich verbessert, seitdem jodiertes Speisesalz eingeführt wurde. Ausnahmen waren in der Versorgung mit Vitamin D, Kalzium und Eisen festzustellen, wobei die Verzehrempfehlungen der Teilnehmer teilweise unterschritten wurden. Auch bei der Folsäure wurde bei einer deutlichen Mehrzahl der Probanden eine Unterschreitung des Referenzwertes beobachtet. Allerdings gilt das nicht automatisch als Mangel, da eine Sicherheitsspanne vorsorglich mit eingerechnet wurde. Nahrungsergänzungsmittel machen also nur in einem recht eingeschränkten Anwendungsgebiet wirklich Sinn.

Nahrungsergänzungsmittel nicht generell verteufeln!

Auch wenn eine Deckung des Nährstoffbedarfs mit einer gesunden Ernährung erfolgen kann und es an umfangreichen wissenschaftlichen Beweisen für die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmittel fehlt, sollte keine allumfassende Ablehnung der Präparate erfolgen. Es gibt Personengruppen, die durchaus von einer zusätzlichen Einnahme von Nährstoffen profitieren können.

 

Dazu zählen Menschen mit:

  • Unter- oder Mangelernährung
  • Chronischen Erkrankungen, die Leber, Nieren oder Darm betreffen.
  • Krebsleiden
  • Alkoholismus

Darüber hinaus können bestimmte Lebensphasen oder das individuelle Sportverhalten eine Einnahme rechtfertigen:

  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • Hohes Lebensalter
  • Hochleistungssport

Ein spezielles Nahrungsergänzungsmittel wird heute sogar ohne Einschränkung für Schwangere empfohlen: die Folsäure. Denn ein Mangel an Folsäure kann für das ungeborene Kind schädlich sein, da er im Verdacht steht, Neuralrohrdefekte zu verursachen. Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten die Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln. Die empfohlenen 400 µg Folsäure am Tag können so unkompliziert sichergestellt werden.

Auch wenn es noch zu verlockend scheint, bei Beschwerden eine Diagnose selbst zu stellen und zu einem Produkt aus der Drogerie zu greifen, sollte die Abklärung unbedingt von einem Arzt erfolgen. Durch die Bestimmung der Blutwerte kann so unkompliziert der individuelle Bedarf festgestellt werden. Damit wird Geld gespart und unter Umständen auch die eigene Gesundheit geschont.

Können die kleinen Helfer auch gefährlich sein?

In den meisten Fällen werden zu viel aufgenommene Vitamine einfach wieder ausgeschieden. Es gibt aber auch Nährstoffe, die überdosiert einen negativen Effekt auf den Körper haben können. Eine Langzeitstudie hat beispielsweise ergeben, dass zu viel Vitamin A das Risiko für Knochenbrüche im Alter erhöht. Vitamin C kann abführend wirken und durch die Säure den Zahnschmelz angreifen. Große Mengen an Vitamin D und E neigen dazu sich im Organismus anzureichern, wo sie zu Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Erbrechen führen können.

Aber wie viel ist denn nun zu viel? Die Hersteller sind verpflichtet, ihr Produkt mit Verzehrempfehlungen zu versehen. Laut der Studie der Leibniz Universität Hannover halten sich 86 % der Anwender auch an diese Herstellerangaben. 93 % von ihnen gaben an, sich der negativen Auswirkungen einer überdosierten Nährstoffversorgung bewusst zu sein. Trotzdem wurde bei 22 Prozent der Befragten eine Überschreitung der Höchstmenge bei Einnahme von Magnesiumprodukten beobachtet. Mögliche Nebenwirkungen sind Verdauungsbeschwerden und Durchfälle.

Die zusätzlichen Inhaltsstoffe aus der Pflanzen- oder Tierwelt sind für den Endkunden kaum überschaubar. Fraglich ist auch, ob durch die Zugabe solcher Inhaltsstoffe ein Mehrwert erzeugt werden kann und ob eventuell Risiken zu erwarten sind. Experten warnen zur Vorsicht bei enthaltenden Bienenerzeugnissen wie Gelée Royale und Propolis, die zu schweren Allergieerscheinungen führen können.

 

Fazit:

Die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungspräparaten ist vielfach nicht ausreichend erforscht. Eine generelle Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel kann daher nicht pauschal empfohlen werden. Vielmehr ist das eigene Ernährungsverhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Frische Lebensmittel sollten immer die bevorzugte Nährstoffquelle sein, um den Bedarf sicherzustellen und unerwünschte Nebenwirkungen auszuschließen. Bei einem vermuteten Nährstoffmangel sollte der Hausarzt der erste Ansprechpartner sein, um eine entsprechende Empfehlung zu erhalten.

Grafiken:  https://stock.adobe.com/de/stock-photo/medizin-tabletten/60111551 © pix4U

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